Bernhard Prinz
Doubles
31.10. – 05.12.1999
Mit der Ausstellung „Doubles“ endet die Ausstellungsserie zu dem Thema „Positionen der zeitgenössischen Fotografie“. In den vorangegangenen Jahren wurden in dieser Reihe die Arbeiten von Boris Becker und Gabriele Rothemann vorgestellt.
Bernhard Prinz gehört sicherlich zu den bekanntesten jüngeren Vertretern zeitgenössischer deutscher Fotografie. Er wurde 1953 im bayrischen Fürth geboren, lebt und arbeitet in Hamburg. Im Jahre 1987 war er Teilnehmer an der documenta 8 in Kassel, war wie Becker und Rothemann Stipendiat der Villa Massimo in Rom und hatte seither viele Ausstellungen im In- und Ausland. Bernhard Prinz ist Professor an der Universität Gesamthochschule Essen.
Sein wichtigstes Motiv sind meistens Menschen, überlebensgroße Figuren mit unverkrampfter Haltung und einem entleerten, neutralen Blick, der zwar auf den Betrachter gerichtet ist, dennoch über ihn hinaus weist. Es sind keine Portraits, die individuelle Persönlichkeit interessiert Bernhard Prinz bei seinen Bilder nicht, sondern es sind vielmehr „Verbildlichungen“ seiner Gedanken und Ideen. Er geht von ihm vorgeformten Denkmodellen, Motiven und Themen-komplexen aus, für die er daraufhin die Personen sucht, mit denen er das Charakteristische dieser Ideen verkörpern kann. Durch ein genaues Auswahlverfahren, den langwierigen Prozeß des Ausleuchtens während der Aufnahme und durch das Modellieren mit Licht und dem kontinuierlichen Ver¬dichten der Posen werden die Menschen aus ihrer Umgebung herausgelöst. Jedes Detail ist genau geplant und arrangiert, die persönlichen Kennzeichen minimiert. Der Hintergrund wirkt neutral und isolierend.
Bernhard Prinz fotografiert jedoch nicht nur Menschen. Bei den Anfang der 90er Jahre fotografierten epidemischen Wucherungen oder den jüngeren Landschaften stehen andere Motive im Mittelpunkt, der fotografische Ansatz ist jedoch derselbe. In der Ausstellung in der Kunst¬halle Bremerhaven werden diese Beziehungen deutlich. Gezeigt werden Arbeiten aus drei unterschiedlichen Werkgruppen: die Portraits von Kindern und Jugendlichen aus den letzten Jahren, dazu rebusartig wuchernde Pflanzenfotos und Bilder aus seiner Serie mit Textil - Landschaften. Die Werkgruppen stehen jedoch nicht für sich, sondern sind auf den Kontext und die spezifischen Gegebenheiten des Raumes hin neu geor1. dnet. Es ergeben sich Überschneidungen und Verlagerungen, durch Nachbarschaften entstehen neue Beziehungsgeflechte und Strukturen, sowie Interpretationsmöglichkeiten, die zum Teil zunächst verborgen sind und sich erst bei näherer Gegenüberstellung und im Vergleich erschließen.
In diesen Arbeiten deckt Prinz das Verhältnis zwischen sichtbaren Formen und unsichtbaren Ideen auf. Er überführt vertraute Sachverhalte in die hermetische Sphäre der Poesie. Jedes Detail wird zu einer Metapher für Werte und Normen
Kuratiert von Thomas Trümper.