Achim Bitter
07.03. – 18.04.2004

Ausstellungen mit Künstlern aus der Region haben Tradition in der Kunsthalle. Erinnert sei etwa an die Ausstellungen von Horst Müller 1992, Norbert Schwontkowski 1993, Andrée Korpys und Markus Löffler 1995, Wolfgang Michael 1996 oder Achim Bertenburg 1997. Mit Achim Bitter, geb. 1960 in Twistringen, zurzeit wohnhaft in Bremen, stellt der Kunstverein einen weiteren Künstler aus der Region vor, dessen Arbeit unter anderem im Jahre 2000 mit der Beteiligung an der Ausstellung “ein/räumen. Arbeiten im Museum” Kunsthalle Hamburg zu sehen waren.

Es türmt sich Pappkarton auf Pappkarton. Darüber ein umgedrehter bandagierter Stuhl. Daneben ein aufrecht ragender Lattenrost, der eine Konstellation aus Regal, Eisschrank und Telefon abschirmt, die ihrerseits in einer ironischrosigen Kinderbadewanne gipfelt. Das Auge sucht weiter und entdeckt daneben und dahinter Schuhkartons, Kissen, Kühlboxen, Teppichreste und Bürostühle, aufeinander gestapelt, ineinander gesteckt, gelegt, gestellt, arrangiert, liegen gelassen, vergessen? So genau weiß man das nie, wenn man den Arbeiten Achim Bitters begegnet. Wie das entsteht, ist eine der Fragen, die den Künstler intensiv beschäftigt. Auch wenn die meisten Konstellationen, die Bitter aus Sperrmüll-Inventar und dem profanen Bereich unserer häuslichen Waren- und Dingwelt entwirft, auf den ersten Blick so wirken, als wären sie eher Produkte des Zufalls, sind sie in Wirklichkeit oft über Wochen sorgfältig geplante und in skrupulöser Kleinarbeit entwickelte, immer wieder unterschiedliche Arrangements.

Die Aufgabe, die sich der Künstler stellt, ist vor allem deswegen so kompliziert, weil sie auf eine weitestgehende gegenseitige Durchdringung von Absicht und Absichtslosigkeit zielt. Die perfekteste Konstruktion ist demnach die, welche sich als solche überhaupt nicht zu erkennen gibt. … Im Prinzip des Schichtens und Hinzufügens, des Wieder-Wegnehmens und Entfernen von Schachteln, Möbeln und Haushaltsgeräten variiert Bitter die jahrhundertealten Grundaxiome der Bildhauerei und verknüpft sie mit architektursoziologischen Fragestellungen. Das Erlebnis des Handlungsspielraums Stadt, die Durchdringung von außen und innen, öffentlich und privat und nicht zuletzt Momente des Recyclings und die damit verbundene Transformation und Neuverwendung von gemein-hin überflüssig erachteten Materialien spielen dabei in Bitters künstlerischem Denken eine wichtige Rolle.

Stephan Berg, aus: Archisculptures, Kunstverein Hannover 2001

Kuratiert von Jürgen Wesseler.