Andrea Hold - Ferneck
Gewächse
22.04. – 27.05.2001
In lockerer Reihenfolge hat der Kunstverein Bremerhaven in den vergangenen Jahren junge Künstlerinnen und Künstler aus Nordrhein Westfalen vorgestellt. Ausstellungen mit Werken von Andreas Bee, Katharina Grosse, Rob de Vry oder Paul Schwer wurden in diesem Kontext gezeigt. In der nächsten Ausstellung präsentieren wir die Arbeit von Andrea Hold-Ferneck. Andrea Hold-Ferneck, 1963 in Hannover geboren, lebt und arbeitet in Wuppertal. Nach einem Kommunikationsdesign Studium ist sie seit Beginn der 90er Jahre durch eine Vielzahl von Ausstellungen und Stipendien vor allem im Rhein- und Ruhgebiet sowie in Belgien bekannt geworden. Die Ausstellung in der Kunsthalle Bremerhaven ist ihre erste in Norddeutschland. Der Schwerpunkt der Arbeit von Andrea Holt-Ferneck liegt in der Fotografie und der Inszenierung. Der Kunstkritiker Stefan Rasche schreibt dazu:
Ausgehend von der Fotografie, befasst sich Andrea Hold-Ferneck mit Fragen der Bildwirklichkeit und ihrer Wahrnehmung, die sie bevorzugt an unserem zivilisatorisch geprägten Naturbegriff verhandelt. So reflektieren etwa ihre Aufnahmen von Pflanzen und Bepflanzungen das Verhältnis von Natur und Künstlichkeit, von Bild und Abbild, von Realität und Manipulation - Themen, die auch im Mittelpunkt ihrer Ausstellung “Gewächse” in der Kunsthalle Bremerhaven stehen.
Als Bausteine ihrer Inszenierung werden unter anderem drei fotografische Bildpaare einer heimischen Waldlandschaft gezeigt, die durch eine irritierende Symmetrie gekennzeichnet sind: Zwar er-öffnet jede Tafel ihren eigenen Vegetationsraum, doch taucht als Dopplungselement derselbe, nahansichtige Baumstamm auf, der zu einer Verklammerung der unterschiedlichen Ausschnitte führt. Und mag man die Waldstücke zunächst noch für detailgenaue Abbilder halten, so erweist sich die gewähl-te Perspektive als Indiz einer genau kalkulierten ästhetischen Strategie.
In ähnliche Richtung weisen auch ihre Fotosequenzen über Fallobst, die von Bild zu Bild minimale Veränderungen erkennen lassen, wobei letztlich ungeklärt bleibt, ob die Künstlerin Vorgefundenes dokumentiert oder manipulativ in die Wirklichkeit eingegriffen hat. Weitere Fotoarbeiten und Objek-te, die ebenfalls an der Schnittstelle von Realität und künstlerischer Repräsentation angesiedelt sind, ergänzen die Ausstellung. So werden nicht nur reale Pflanzen als Versatzstücke einer domestizierten Natur integriert, sondern auch scheinbar dokumentarische Aufnahmen früherer Ausstellungs-situationen, in der die gezeigten Arbeiten noch einmal als Bild im Bild - und damit als Topos einer selbstreflexiven Kunst - in Erscheinung treten.
Auf diese Weise formieren sich die einzelnen Bestandteile zu einem offenen System, das sich im Zustand permanenter Verwandlung und Erweiterung befindet, das neue Sinn- und Sehzusammenhänge entstehen lässt. Typisch für ihre Inszenierungen ist dabei auch, dass immer wieder Arbeiten anderer Künstler als “blinde Passagiere” einbezogen werden, so in Bremerhaven zwei Schwarz-Weiss-Aufnahmen des Berliner Künstlers Michael Schmidt - eine weitere Maßnahme, den geschlossenen Bilderkreislauf zu durchbrechen.
Kuratiert von Klaus Becké.
Zur Ausstellung erscheint eine Edition sowie in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Leverkusen ein Katalog.