Andreas Bohnhoff
Fotografien
22.08. – 26.09.2004

Es gibt sie noch, die Schwarz-Weiß-Fotografie. Mit Andreas Bohnhoff stellt der Kunstverein Bremerhaven einen der seltenen zeitgenössischen Vertreter vor, der es in der „farblosen“ Fotografie zur Meisterschaft gebracht hat. 1992 wurden seine meist quadratischen Fotografien erstmals in Bremerhaven präsentiert.
Danach wurde es stiller um den Fotografen. Doch in den letzten Jahren tritt er wieder mit neuen Aufnahmen und Ausstellungen an die Öffentlichkeit. Dabei knüpft er in seinem fotografischen Sujet nahtlos an seine früheren Aufnahmen an. Überhaupt stehen die Bilder von Andreas Bohnhof erkennbar in einer Geschichte, in der Geschichte der neuen Sachlichkeit der zwanziger Jahre. Insbesondere bei den Architekturaufnahmen macht sich dies im Bildaufbau bemerkbar. Die Wahl des Ausschnitts oder der Umgang mit dem Licht erinnern an den Beginn der modernen Fotografie. In der täglichen Flut farbiger und digitalisierter Bilder macht Andreas Bohnhoff so auf erfreuliche Weise die nahezu in Vergessenheit geratene Qualität des scheinbar aussterbenden Genres der Schwarz-Weiß-Fotografie einmal mehr deutlich. Allerdings beschränkt sich der Fotograf nicht auf die technische und stilistische Adaption berühmter Vorbilder. Bemerkenswert sind seine Motive. Da kann man zwischen den erkennbaren Architekturräumen vielleicht einen Herrn in altertümlicher Bekleidung erkennen. Oder ein Mann schreitet vor einer hellen, glatten neuen Mauer jüngeren Datums aus. Er wirft einen langen Schlagschatten, und über die Mauer ragt die Spitze eines neogotischen Leuchtturms, dessen Gemäuer genauso historisch ist wie die Kleidung und das Gebaren des Flaneurs. Andreas Bohnhoff inszeniert seine Fotos, seine Portraits, seine Stillleben. Und diese Inszenierungen irritieren. Sie sind subjektiv, offensichtlich bewusst vom Künstler arrangiert. Vor seiner Kamera wird die vermeidliche fotografische Wirklichkeit zu einer Bühne, zu einer Bühne surreal anmutender Erzählungen, erzählt mit technischer Perfektion in zeitlosen Fotografien. Die aktuelle Ausstellung konnte mit Hilfe der Arbeitnehmerkammer realisiert werden.

Kuratiert von Anne Schmeckies.