Andy Warhol
Portraitzeichnungen und Polaroids
30.03. – 04.05.2003
Eigentlich erübrigt es sich, über den legendären amerikanischen Künstler Andy Warhol noch Worte zu verlieren. Der 1929 in Pittsburgh geborene Künstler (gest. 1987 in New York) gehört zweifellos zu den Hauptvertretern der Pop Art und zu den bekanntesten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Seine Portraits von Personen der Zeitgeschichte wie etwa die Siebdrucke von Jackie Kennedy (1965), Marilyn Monroe (1962) oder Mao Tse Tung (1972), sind zu Ikonen ihrer Zeit geworden, ebenso wie seine Selbstportraits, das Motiv der Campbell Soup Can (1962), der Zwei-Dollar-Note (1962) oder die Waschmittelkartons der Marke „Brillo“ (1964). Im Original oder als Reproduktion haben seine Werke eine große Verbreitung gefunden, wobei gerade die Reproduktion insbesondere von trivialen Dingen des Konsums, der Massenware der so genannten Pop Kultur sein Schaffen kennzeichnete.
Andy Warhol, der als Obstverkäufer begann und eine Ausbildung zum Schaufensterdekorateur machte bevor er in den ausgehenden 1940er Jahren Kunst am Carnegie Institute of Technologie in Pittsburgh studierte, betätigte sich sowohl als Maler, wie auch als Grafiker, Fotograf, Filmregisseur, Objekt- und Aktionskünstler. Geradezu legendär wurde seine „Factory“ in New York – eine Gruppe von Freunden und Mitarbeitern, die zum Teil mit ihm lebten, ihn inspirierten, Kunstwerke für ihn ausführten und ihm zu Aufträgen verhalfen. Letzteres galt insbesondere für die Portraits. Bob Colactello, selbst Mitglied der Factory von 1970 bis 1982, schreibt, dass Warhol ständig alle Mitglieder anhielt, Interessenten für Portraits zu werben. Die Werbung hatte Erfolge. In einigen Jahren fertigte Warhol fünfzig bis hundert Portraits von Politikern, Künstlern, Sammlern, Sportlern, Musikern, Wirtschaftsbossen, Designern und anderen Mitgliedern der Gesellschaft.
Weniger bekannt als die Farbportraits, jedoch nicht weniger sehenswert, sind die Portraitzeichnungen. Warhol betonte sein zeichnerisches Talent nicht, ja gelegentlich lamentierte er sogar über sein Unvermögen. Diese Selbstzweifel sind ein ungewöhnliches Understatement für einen Künstler, der ansonsten bewusst und kontinuierlich die Inszenierung seiner Person betrieb und den Personenkult förderte. Tatsächlich hat Andy Warhol in seiner gesamten künstlerischen Schaffensphase gezeichnet und dabei mit unterschiedlichen Techniken experimentiert. Seit 1972 benutzte er die Zeichnungen unter anderem als Zusatzelement in anderen künstlerischen Techniken, so etwa in der MaoSiebdruckserie. Daneben zeichnete er seit Anfang der 1980er Portraits auch als eigenständige Werke. Technisch ging er dabei ähnlich vor wie bei seinen gemalten Portraits. Als Vorlage dienten Polaroids, die mit Hilfe eines Overheadprojektors an die Wand projiziert wurden. Dort nahm Warhol die überlebensgroßen Portraits ab, die er mit wenigen Linien skizzierte.
Für die Ausstellung hat der Kunstverein Bremerhaven in Zusammenarbeit mit der Jablonka Galerie Köln eine größere Anzahl von Originalzeichnungen, Polaroids und Siebdrucken zusammengestellt, darunter einige, die hier vorerst zum letzten mal in Deutschland gezeigt werden , bevor sie anschließend nach New York zurück gehen. Die Auswahl bildet einen repräsentativen Querschnitt aus Warhols Arbeiten und vermittelt einen Einblick in die Kulturszene der 1980er Jahre.
Kuratiert von Jürgen Wesseler.