Anne Berning
In Pieces
26.03. – 30.04.2000
„Gemalte Kunstgeschichte“, „Bilder-Bücher“, „Bilder über Bücher über Bilder“, so oder ähnlich lauten die Überschriften zu den Bildern von Anne Berning. Sie weisen auf eine Anregung für ihre Einzelmotive hin, auf Bücher, Kunstbücher oder Kataloge. Als überdimensionierte Buchrücken oder als Einband treten dem Betrachter in den Bildern von Anne Berning Bücher entgegen. Doch das Buch, das Kunstbuch, der Katalog als Medium, ist eigentlich nicht Gegenstand ihrer Bilder. Verlagsbezeichnungen, Signaturen, die üblichen Kürzel eines Umschlages sucht man vergebens. Das Volumen und die Seiten eines Buches werden in den Bildern nicht thematisiert. Die Ränder ihrer Gemälde bleiben unbemalt. Als Motiv bleibt ein Titel, genauer gesagt nur der Name eines Künstlers und gegebenenfalls eine meist ausschnitthafte Wiedergabe eines bekannten Gemäldes. Das Buch rückt damit in den Hintergrund. Es bleibt dessen Funktion bei der Rezeption und Reproduktion von Kunst. Noch deutlicher wird dies, wenn man weiß, daß den einem so bekannt erscheinenden Kunstbüchern nur ausnahmsweise reale, tatsächlich existierende Kataloge zu Grunde liegen. Ihre Größe, ihre Beschriftung, der Titel, das Bild und ihre Anordnung in alphabetischer Reihenfolge als Buch-rücken an die Wand gelehnt oder in thematischer Zuordnung auf einem „Büchertisch“ sind somit nicht vorgegeben, sondern vielmehr Ergebnis eines übergeordneten ästhetischen Gesamtkonzeptes. So treten neben dem spielerischen Umgang mit dem Realismus, der Kunstgeschichte, der Kunstrezeption und –reproduktion, dem Spiel der Beziehungen zwischen den scheinbar zufällig mit- und nebeneinander angeordneten Katalogen von Künstlern unter-schiedlichster Stilrichtungen und Epochen malerische Fragestellungen hervor.
Auch hier ist eine genaue Wiedergabe historischer Vorbilder nicht beabsichtigt. Anne Berning kopiert bei der Wiedergabe von Kunstwerken keinen malerischen Duktus, keine Materialität, keine Oberflächenstruktur. Ihre Malerei ist vielmehr streng und sachlich orientiert. Sie ist auf das wesentliche konzentriert, um den Effekt des Wiedererkennens zu erreichen und bleibt ebenso schlicht, im positiven Sinne des Wortes, wie der konzeptionelle Ansatz. Dabei verläßt sie allerdings durch ihre „Buchrücken“ und „Büchertische“ die traditionellen Formen und Größen des klassischen Tafelbildes, ja selbst deren traditionellen Präsentationsart, wenn ei¬nem die Umschläge auf einem Tisch oder die Buchrücken nebeneinander an die Wand gelehnt, überdimensional abstrahiert, skulptural entgegentreten.
In jüngerer Zeit hat Anne Berning ihre bildnerische Thematik erweitert. Neben der malerischen Interpretation von Kunst und Bild über die Anmutung von Kunstbüchern sind nun auch Anamorphosen, Zerrbilder und Rätselbilder getreten. Nicht selten liegen ihnen Bilder neuer Medien, eines Films oder eines Videos zu Grunde, wodurch sich Anne Berning mit einer der ältesten Techniken der bildenden Kunst, nämlich der Malerei, der grenzenlosen Rezeption, der Bilderflut und Reproduzierbarkeit von Kunst durch die neuen Medien nähert.
Kuratiert von Ralph Hinz.