Gustav Kluge
Good guy bad guy
15.01. – 19.02.2006
In der ersten Ausstellung des Jahres 2006 zeigt der Kunstverein Arbeiten von Gustav Kluge. Gustav Kluge, geboren 1947 in Wittenberg an der Elbe, gehört seit den 80er Jahren zu den festen Größen in der nationalen Kunstszene. Seine Arbeit wurde mit Ausstellungen in renommierten Galerien, Kunstvereinen und Museen gewürdigt. Werke von ihm sind für öffentliche Kunstsammlungen angekauft worden. Zwischen 1978 und 1985 übte er eine Lehrtätigkeit an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg aus. Seit 1996 lehrt er an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Wir freuen uns, dass wir Gustav Kluge für eine Ausstellung in Bremerhaven gewinnen konnten.
Das bevorzugte Medium des Künstlers ist die Malerei. Daneben arbeitet Gustav Kluge auch in anderen künstlerischen Techniken. So fertigt er seit den ausgehenden 70er Jahren
Aquarelle und Holzdrucke. Später folgten Holz- oder farbig gefasste Gipsskulpturen. Im Mittelpunkt der Bremerhavener Ausstellung stehen jedoch die Malerei.
In seinen Bildern thematisiert Gustav Kluge Abgründe und Widersprüche des menschlichen Daseins. Der Titel unserer Ausstellung „ GOOD GUY – BAD GUY“ leitet sich aus diesem Gegensatz ab. Seine Themen sind zeitlos und dadurch mitunter von einer überraschenden Aktualität. So beginnt ein Ausstellungskatalog vom Frühjahr 2005 mit einem Zeitungsausschnitt zu den geheimen Gefangenenflügen der CIA. Im Mittelpunkt der damaligen Ausstellung stand das Gruppenportrait eines Psychologenteams des Behandlungszentrums für Folteropfer in Berlin.
Einzelpersonen oder Personengruppen bilden stets den Bildinhalt. In der Regel besitzen sie keine Identität, die einer konkreten Person zugeordnet werden kann. Gesichter und Körper bleiben maskenhaft, ihre Haltung, ihre Gestik ihr Ausdruck zeichenhaft. Die Unbestimmtheit ist beabsichtigt. Sie erlaubt keine schnelle Deutung und keine erleichternde Schuldzuweisung an be-stimmte Personen. Die Bildinhalte bleiben verschlüsselt, obwohl Gustav Kluge über Titel auf konkrete Inhalte verweist. Allerdings bilden auch die Titel nur einen möglichen Schlüssel zum Bildverständnis und keine abschließende Erklärung.
Die Verschlüsselung der Bildidee findet ihre Entsprechung in der Malweise. Kennzeichnend erscheint eine moralisch expressive Arbeitsweise. Schicht für Schicht, Fassung für Fassung erarbeitet Gustav Kluge Bild und Bildidee gleichermaßen in einem malerischen Prozess, indem er Farbe intensive als Werkstoff bearbeitet. Die deutlich sichtbare Materialität dokumentiert den Malprozess. Sie ist Teil des handwerklichen Prozesses, welcher der Malerei, nämlich den Umgang mit Farbe, einen eigenen, autonomen Status gegenüber der thematischen Orientierung der Bildidee einräumt bzw. belässt. Aus der Kombination des sichtbaren Ringens im malerischen Entstehungsprozess und der Ernsthaftigkeit des Themas entsteht die intensive Wirkung der Arbeiten von Gustav Kluge, der sich der Betrachter nur schwer entziehen kann.
Kai Kähler
Kuratiert von Jürgen Wesseler.