Jan Dibbets
28.06. – 02.08.2009

Erstmals präsentiert der Kunstverein Bremerhaven Fotoarbeiten von Jan Dibbets in der Kunsthalle. Ein Unbekannter ist der 1941 in Weert, Niederlanden, geborene Künstler allerdings nicht. Bereits 1973 hatte er eine Ausstellung im Kabinett für Aktuelle Kunst in Bremerhaven. Anknüpfend an die damalige Präsentation werden nun Werke aus den späten 1980er Jahren sowie von 2004 in der Kunsthalle zu sehen sein.

Jan Dibbets, der der Land Art und Konzeptkunst nahe steht, setzt sich mit dem Problem der Wahrnehmung und der Sinnestäuschung auseinander. Mit dem Mittel der Fotografie dokumentiert er häufig perspektivische Verzerrungen und Täuschungen und stellt damit die Frage nach der Wahrnehmung der Realität. Der Kunstverein präsentiert Arbeiten aus den Serien “Perspective Collection” und “Windows”, die beispielhaft für diese Auseinandersetzung sind.

Mit der Werkgruppe “Perspective Collection” knüpft Jan Dibbets 2004 an eine Serie aus den späten 1960er Jahren mit dem Thema der Perspektivkorrektur an, in der er seinerzeit eine Trapezform in den Sand zeichnete und so fotografierte, dass es auf dem Foto als Quadrat erschien. In der neuen Serie setzt er Werke von Künstlerkollegen wie Carl Andre, Donald Judd, Sol Lewitt und Robert Mangold in Szene und ergänzt diese durch gespannte Fäden. Der Effekt auf dem Foto ist eine perspektivische Verzerrung, die beim Betrachter Verunsicherung hervorruft.

Ergänzt werden diese Arbeiten mit Werken aus der “Windows”-Serie. Die Aufnahmen zeigen Fensteröffnungen in Kathedralen und profanen Bauten die, perspektivisch fotografiert, zu elliptischen und rombenförmigen Elementen verzerrt sind. Von Innen nach Außen aufgenommen, erlauben sie den Blick auf den leeren Himmel. Durch die Übermalung der aufgenommenen Wandflächen wird die Architektur abstrahiert und entortet. Zwei Lichtquellen finden sich im Bild wieder: das auf der Farbhaut reflektierte, natürliche Licht des Ausstellungsraumes und der Lichteinfall durch das Fenster im Foto.

Die Arbeiten Jan Dibbets verblüffen und erstaunen den Betrachter, der sich unweigerlich die Frage stellt: Was ist Fiktion, was ist Realität? Trickreich und verspielt und zugleich nüchtern in der Ästhetik, stellt der Künstler damit eine zentrale Frage in der Fotografie.

Kuratiert von Jürgen Wessler.