Elke Graalfs, Simone Haack, Jutta Haeckel, Yong Soo Lee, Marina Schulze, Sibylle Springer
Klasse Karin Kneffel
13.01. – 17.02.2002
Bei der Beurteilung einer wissenschaftlichen Laufbahn spielt mit unter nicht nur der akademische Grad oder die Benotung eine Rolle. Über diese formalen Kriterien hinaus geben der Studienort und der Name der Professoren, bei denen studiert worden ist, weitere Auskünfte. Diese Angaben sagen dem Eingeweihten wessen geistig „Kind“ man ist, in welcher gedanklichen Tradition man steht. Gerade in den Biografien bildender Künstler werden auffallend häufig die Namen der lehrenden Künstler genannt, bei denen studiert worden ist. Die Namen findet man insbesondere dann, wenn die Künstler ihr Studium als „Meisterschüler“ eines bestimmten Professors beendet haben. Der namentliche Verweiß auf die Professoren, hat insofern seine Berechtigung, weil sich die Auseinandersetzung mit der künstlerischen Haltung des Lehrenden in der Regel in den eigenen künstlerischen Arbeiten niederschlägt. So werden Techniken, Ausdrucksformen oder gedankliche Ansätze aufgegriffen und fortgeführt oder die Künstler bemühen sich im Gegenteil darum, sich von den Vorgaben ihrer Lehrer abzugrenzen. Dennoch weißt die Arbeit von Künstlerinnen und Künstlern, die bei den gleichen Professoren studiert haben, nicht selten Ähnlichkeiten auf. Gelegentlich spricht man dann von einer „Schule“. So gibt es beispielsweise heute in der Fotografie eine Reihe bekannter Künstler, die bei Bernd und Hilla Becher studiert haben. Mit ihren streng sachlich aufgenommen und in Serie fotografierten Industriebauten haben die Bechers eine ganze Generation von Kunststudenten geprägt, deren Fotografien heute eine vergleichbare Anerkennung finden. Ähnliche Entwicklungslinien gibt es in der Malerei.
Zu den renommiertesten deutschen Malern gehört beispielsweise Gerhard Richter, dessen Frühwerk der Kunstverein 1973 in der Kunsthalle ausgestellt hat. Von 1971 bis 1994 war er als Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie tätig. Zu seinen „Schülern“ gehören unter anderen Michael Bach, Michael von Offen und Karin Kneffel, deren Arbeiten der Kunstverein zwischen 1994 und 1996 in einer kleinen Ausstellungsreihe in der Kunsthalle gezeigt hat. Inzwischen haben diese Künstler selbst längst internationale Anerkennung gefunden. So zeigte beispielsweise die Kunsthalle Emden im vergangenen Jahr eine große Sonderausstellung mit den Bildern von Karin Kneffel. Seit 1998 unterrichtet Karin Kneffel Malerei an der Hochschule für Künste Bremen. In der aktuellen Ausstellung zeigen wir Arbeiten von fünf Studentinnen und einem Studenten aus der Malklasse Karin Kneffel. Nach Gerhard Richter und Karin Kneffel handelte es sich, wenn man so will, um die dritte Malergeneration. Doch lassen sich noch Traditionslinien zu Gerhard Richter erkennen? Gibt es überhaupt eine sichtbare Verbindung zwischen dem Werk von Karin Kneffel und ihren Studentinnen und Studenten? Oder gibt es deutliche Unterschiede? Wenn es Bezüge zu der Malerei von Karin Kneffel gibt, wo beginnt dann die Abgrenzung, worin liegt die Aktualität? Und gibt es zwischen den Arbeiten der Studentinnen und Studenten Gemeinsamkeiten, so dass von einer Klasse Karin Kneffel gesprochen werden kann? Über alle diese Fragen können Sie sich in der Kunsthalle eine eigene Meinung bilden. Darüber hinaus bemühen wir uns um einen Gesprächstermin mit den Studenten, Frau Karin Kneffel und Herrn Peter Rautmann, dem Konrektor der Hochschule für Künste Bremen.
Kuratiert von Thomas Trümper.