Klaus Hartmann
ANDERE WELT
21.04. – 26.05.2002
Tod gesagte leben bekanntlich länger. Dies gilt auch für die Malerei in der bildenden Kunst. Auf Kunstmessen sieht man zwar immer weniger gemalte Bilder - statt dessen sind Fotografien, Collagen, Videos, Grafiken und Installationen inzwischen die verbreitetsten Ausdrucksformen zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler. Doch es gibt sie noch, diejenigen, die die Malerei für ihr künstlerisches Schaffen wählen. Dabei wird Malerei heute nicht nur im Anklang an die Kunst vergangener Jahrzehnte auf der Suche nach einer neuen „Schönheit“ in der Kunst, einer Suche mit einem romantisierenden Unterton verwendet. Künstlerinnen oder Künstler, die heute wieder malen, kommen daneben durchaus modern und gegenwartsbezogen daher. Das hat nicht zuletzt die Ausstellung „Klasse Karin Kneffel“ deutlich gemacht, die der Kunstverein Bremerhaven am Anfang diesen Jahres gezeigt hat. In der nächsten Ausstellung stellt der Kunstverein mit den Bildern von Klaus Hartmann (geb. 1969) einen weiteren zeitgenössischen Maler vor, der in den vergangenen Jahren nationale Aufmerksamkeit erzielt hat (Artforum 9/99, Spiegel Kultur 7/01).
Die Bilder von Klaus Hartmann kommen frisch, fröhlich und frei daher. Alles ist schön. Sie zeigen Landschaften, Gartenanlagen, Kleingartenlauben, Schrankenwärterhäuschen oder Achterbahnen und bedienen dabei gängige Vorstellungen einer kleinbürgerlichen Idylle. Sie besitzen Leichtigkeit. Geradezu paradiesisch erscheinen die unprätentiösen Motive. Sie zeigen eine heile Welt und erzählen in ihren Pastellfarben von Schönheit und Träumen. Doch ganz sicher ist sich der Betrachter nicht. Zweifel schleichen sich ein. So unbefleckt kann die Welt doch gar nicht sein. Die einzelnen Bestandteile der Motive scheinen zu stimmen, aber in ihrem Kontext löst sich die Hierarchie der Dinge auf. Vorder- und Hintergrund durchdringen einander. Collagenartig sind die Bestandteile ineinander und gegeneinander gesetzt. In den Bildern “Mädchen # 1” und “Mädchen # 2” (beide 1997) stehen halb nackte Catcherinnen aus einem Schlammwettkampf unvermittelt, noch schlammbeschmutzt in einer unbefleckten Natur. Sie stehen im kniehohen Gras zwischen Birken oder sie wälzen sich in einem Obstgarten. In den Bildern “Palmen” (1998) und “Gelbe Berge” (1997) breitet sich eine südländische, vielleicht vorzeitliche Landschaft aus. Voll mit Blüten und Bäumen, wunderschön doch menschenleer. Die frische, scheinbar unbedarfte Farbigkeit wirkt plötzlich übertrieben bunt. Sie erinnert an naive Malerei. Und so bekommen die Bilder unterschwellig etwas Künstliches, Surreales, vielleicht sogar Bedrohliches. Diese Unbestimmtheit lässt einen nicht mehr los.
Inzwischen haben die Bilder mit ihrer irritierenden Erscheinung Eingang in private und staatliche Sammlungen gefunden. Der Kunstverein zeigt neuere Arbeiten aus dem Besitz des Künstlers. Zur Ausstellung erscheint eine Edition.
Kai Kähler
Kuratiert von Jürgen Wesseler.