Knut Eckstein
Yum Yum
31.01. – 07.03.1999
Diese Ausstellung stellt der Kunstverein Bremerhaven Arbeiten von Knut Eckstein vor. Der international arbeitende Künstler lebt derzeit in Berlin. Er ist jedoch in unserer Region kein Unbekannter. Knut Eckstein studierte an der Hochschule für Künste in Bremen und erhielt 1993 das Förderstipendium der Stadt Delmenhorst. Bereits 1991, noch während seines Studiums, waren seine Arbeiten in der Ausstellung „Hohlraum“ im Neuen Museum Weserburg in Bremen zu sehen. 1992 folgte dort eine weitere Ausstellungsbeteiligung und 1994, im Anschluß an sein Stipendium, erhielt er eine Ausstellung in der Städtischen Galerie Delmenhorst Haus Coburg, zeitgleich zu seiner Videoinstallation „Delmenhorst TV“ auf dem Rathaus¬markt der Stadt. Im Anschluß an ein DAAD Stipendienaufenthalt in New York wer¬den in der Kunsthalle Bremerhaven neuere Arbeiten zu sehen sein.
Auffällig an den Arbeiten von Knut Ecksten ist zunächst die Materialität. Knut Eckstein formt seine Skulpturen und Installationen aus Pappe und Karton. Die Pappe, die als Verpackungs-material dazu verwendet wird um Inhalte zu verkleiden, zu verbergen und zu schützen, erfährt durch die skulpturale Verarbeitung eine Wertverschiebung und wird selbst zum Gegenstand der Betrachtung. Ihre ursprüngliche Funktion spiegelt sich allerdings in den von Knut Eckstein sogenannten „housings“ wider, einfachen Raumkörpern, die den Unterkünften Obdachloser nachempfunden sind. Diese Skulpturen verweisen auf die Problematik der sogenannten „dual city“, einer Spaltung der Stadt beziehungsweise des Stadtraumes in gesicherte Wohnstätten und relativ ungesicherte offene Terrains. Ergänzt und begleitet werden die plastischen Objekte durch Foto- und Videoarbeiten. Sie sind gewissermaßen Zeugen einer stummen Soziologie. Sie zeigen uns Behausungen innerhalb des urbanen Kontextes, Asyle, Nachtlager rudimentär zusammengebaut aus den im Stadtraum vorgefundenen Materialien wie Kartonagen und Abdeckfolien aus Plastik – Materialien, die auf die Ökonomie des Benutzers verweisen. Man denkt an die von Foucault thematisierten „heterotopischen Orte“, die „in die Einrichtung der Gesellschaft hineingezeichnet sind, sozusagen Gegenplazierung oder Widerlager“.
Kuratiert von Ralph Hinz.