Leni Hoffman
UNPAINTING
17.05. – 22.06.2003

Durch ungewöhnliche Raum- oder Ortseingriffe macht die Künstlerin Leni Hoffmann seit den neunziger Jahren von sich reden. Die Interventionen der „Knete-Fee“ mit den dadaistischen Werktiteln, wie sie schon beschrieben wurde, verbinden Zauber und Irritation, Handwerkliches, Originäres, Raumgreifendes ebenso wie Raumsprengendes, Konzeptionelles und Vergängliches. 1962 in Bad Pyrmont geboren, gelang ihr nach dem Studium an der Akademie für Bildende Künste Nürnberg 1992 mit einer Einzelausstellung gleich der Sprung in den von Kaspar König geleiteten Portikus in Frankfurt. Auslandsaufenthalte in Frankreich, Gastprofessuren in Nürnberg und Frankfurt, Einzel- und Gruppenausstellungen im Neuen Aachener Kunstverein, im Musée d´Art Moderne de la Ville de Paris, im Kunstmuseum St. Gallen, im Lenbachhaus München oder im Sprengelmuseum in Hannover, um nur eine kleine Auswahl zu nennen, schlossen sich an. Seit dem Wintersemester 2002/03 hat sie eine ordentliche Professur für Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Auch im Künstlerhaus in Bremen und in der Overbeck Gesellschaft Lübeck war Leni Hoffmann mit Ausstellungen vertreten.
Künstlerisch sieht sie sich einer gegenstandslosen, nicht assoziativen Farbfeldmalerei verbunden. Dr. Ulrich Wilmes vom Ludwig-Museum Köln schreibt zu ihrer Arbeit: „Der Ausgangspunkt von Leni Hoffmanns Arbeiten sind die spezifischen Gegebenheiten eines Ortes, mit dessen räumlichen Merkmalen und funktionalen Bedingungen sie sich auseinandersetzt. Dieser jeweilige Ort stellt sich zum einen als architektonischer Raum dar, der den statischen Rahmen eines Projekts beschreibt, und zum anderen als soziokultureller Kontext, der die Wahrnehmung des Werks wesentlich beeinflusst. Das heißt, für die inhaltliche Bedeutung einer Arbeit sind die formalen Entscheidungen in Bezug auf den Ausstellungsort wesentlich. Die unterschiedlichen historischen Voraussetzungen und sozialen Funktionen von öffentlichen, institutionellen oder privaten Räumen werden hierbei individuell in die Überlegungen zur Realisierung einer Bildidee einbezogen. Im anschaulichen Sinne handelt es sich bei Hoffmanns Arbeit um Bilder, deren gattungsspezifischen Grenzen allerdings radikal gedehnt werden. Als bevorzugtes Material zur Umsetzung ihrer Bildideen hat sich Plastilin oder „Knete“, wie es von der Künstlerin im Rückgriff auf seine umgangssprachliche spielerische Bezeichnung genannt wird, herausgebildet. Es wird in leuchtenden Farben verwendet, die in vielfältigen Kombinationen erscheinen. Die ebenso formbare wie formbeständige Masse wird von Hand aufgetragen. Dabei werden unterschiedliche organisch-homogene Flächenstrukturen herausgearbeitet, die eine körperbezogene Handhabung des Materials vermitteln.
Leni Hoffmann leistet damit einer Veränderung des statischen Werkbegriffs entscheidenden Vorschub. Vor diesem Hintergrund erscheint die zeitliche Begrenztheit ihrer Projekte als eine wesentliche, wenn nicht notwendige Bedingung eines künstlerischen Arbeitsbegriffs, insofern die Konsistenz des Plastilin-Materials auch permanenten Installationen eine allmähliche Veränderung bewusst einkalkuliert.“
Kennzeichen Ihrer Arbeiten ist auch deren Vergänglichkeit. Umso mehr freuen wir uns, dass wir zur Ausstellung eine Edition anbieten können.

Kuratiert von Klaus Becké.