Markus Wegenmann
bel étage
01.07. – 19.08.2007
Markus Weggenmann (1953) lebt und arbeitet in Zürich und Berlin.
Seit einigen Jahren entstehen seine künstlerischen Arbeiten nach dem Prinzip des “Blow-up”, d.h. aus wesentlich kleineren Entwürfen (Gouachen) werden von spezialisierten Handwerksbetrieben großformatige hochglänzende Lackgemälde, Drucke oder auch handgetuftete Teppiche gemacht. Weggenmann nennt diesen Vorgang auch eine “Abstraktion von Malerei“, d.h. die fertigen Kunstwerke, an die der Künstler selbst keine Hand anlegt, sind in ein anderes Materialmedium transformierte Abbildungen der ursprünglichen kleinformatigen Malerei auf Papier.
Weggenmanns Arbeiten, die so lustvoll unorthodox auftreten und quer in der Kunstlandschaft liegen, persiflieren, glossieren und ironisieren, um dadurch nur näher an der malerischen Essenz zu sein.
Und tatsächlich: betreten wir den Hauptraum der Kunsthalle Bremerhaven, sind wir mit einem Farb- und Formenmeer konfrontiert, das es zu begehen, zu betrachten und zu überqueren gilt. Wir besteigen die Empore und von dieser „bel étage“ gewinnen wir einen Überblick über die unten liegenden Bodengemälde. Es sind bunte, handgetuftete Wollteppiche. Die Motive erinnern vielleicht an Amöben, Fruchtkörper, Löcher oder Wolken, aber es sind auf jeden Fall Übersetzungen und Überhöhungen von Malerei. Wie eingefroren wirken die Farbspuren, Schweres wirkt leicht, Leichtes schwer, Farbgewichtungen werden auf den Kopf gestellt, Farben in höchst ungewohnten Kombinationen vorgeführt. Doch für Weggenmann ist es eine Selbstverständlichkeit, daß „jede Farbe mit jeder anderen Farbe kombiniert werden kann“.
Wesentlich ruhiger geht es im zweiten, kleineren Raum der Kunsthalle zu. Wir sehen fünf Lackgemälde, für Werke von Weggenmann ungewöhnlich zart und farblich reduziert. Es sind „Rekonstruktionen“ von einer gestischen, fast vorgegenständlichen, an Pflanzen erinnernden Malerei. Weggenmann demontiert mit seinen von einem Autolackierer nach genauesten Anweisungen ausgeführten Gemälden und seiner lapidaren Direktheit, die voller Irritationen ist, jeglichen künstlich geschaffenen, intellektuell-idealisierenden Überbau. Im Grunde macht diese „Abstraktionen von Malerei“ die hintergründige Brisanz seiner „schönen“ Arbeiten aus.
Die Ausstellung konnte mit freundlicher Unterstützung der Pro Helvetia und dem Kulturamt der Stadt Bremerhaven realisiert werden.
Kuratiert von Klaus Becké.