Michaël Borremans
Four Fairies
27.06. – 15.08.2004

Kunstmessen bieten einen guten Überblick über das aktuelle Kunstgeschehen. Auf Messen werden nicht nur Werke klassischer und etablierter Künstlerinnen und Künstler gezeigt, sondern auch Arbeiten neuer, junger, vielfach noch unbekannter Künstler. Zumindest in Deutschland zählt der belgische Künstler Michaël Borremans zu dieser letztgenannten Gruppe. Dabei hat Michaël Borremans, geboren 1963, wohnhaft in Gent, in den vergangenen Jahren eine beeindruckende Ausstellungskarriere erfahren. Nach dem Abschluss seines Kunststudiums in Gent im Jahre 1996 nahm er bereits 2002 an Ausstellungen im Austin Museum of Art in Texas, sowie im Contemporary Arts Museum in Housten teil. Es folgte eine Ausstellungsteilnahme in der Sammlung Hauser und Wirth, St. Gallen in der Schweiz und 2003 die erste Einzelausstellung in den USA. Ende diesen Jahres ist eine weiter Einzelausstellung im Museum für Gegenwartskunst in Basel vorgesehen. Hier-zulande ist Michaël Borremans hingegen noch weitgehend unbekannt. Dem Kunst-verein sind die Bilder Michaël Borremans im vergangenen Jahr auf der Art Basel aufgefallen. Die Ausstellung in der Kunsthalle Bremerhaven präsentiert das Werk des Künstlers erstmals in Deutschland.

Was die Gemälde Michaël Borremans aus der Fülle der Bilder anderer Künstler hervorhebt ist eine Farbenschwere, eine Ernsthaftigkeit und Intensität, die bei dem Betrachter Erinnerungen an vormoderne Malerei hervorruft. Seine meist dunkel gehaltenen Werke vermitteln durch ihre Lichtsetzungen, die braun und ocker Töne und die purpurfarbigen Schatten den Eindruck längst vergangener Photographien aus der Mitte des 20.Jahrhunderts oder neorealistischen Filmstils. Dieser Eindruck wird durch die Wahl der Motive unterstützt. Der Künstler geht dabei häufig von bestehendem Bildmaterial aus. Nicht selten bilden Abbildungen aus zeitgenössischen Zeitschriften oder Fotobänden, die aus der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts stammen, die Vorlage. Dieser Bilderpool dient als Fundus für Motive die nicht kopiert, sondern verändert und verfremdet werden. Besonders die Zeichnungen erhalten dadurch eine Wirkung von Dokumenten vergangener Zeiten oder wie zufällig gefundene Blätter. Sie verbleiben in einer faszinierenden und merkwürdigen Distanz zum Betrachter.

Bei den Motiven handelt es sich meistens um Personen. Betrachtet man die Motive näher, ihre Kleidung, die Frisuren, ihre Haltung oder die zurückhaltende Ernsthaftigkeit erinnert man sich an vielfach in Vergessenheit geratene Mittelklassemanieren, Zurückhaltung, Ordnung sowie maßvolles Verhalten. Besonders in den Gemälden ergänzen sich Motivwahl, Malweise, Komposition und gedämpfte Farbigkeit dabei optimal. Mit unter geben die psychologischen Untertöne den Bildern allerdings auch etwas Beklemmendes. Die Motive werden zu surrealen Bildwelten, gespenstischen Traumbildern, in denen Personen wie arrangierte Objekte wirken. Mit ihrer Absurdität, ihrer Spur Sarkasmus und nicht zuletzt auch mit ihren humoristischen Anklängen, erscheinen die Bilder Michaël Borremans in einer langen belgischen Kunsttradition.

Kuratiert von Klaus Becké.