Paul Schwer
Blast 4
21.08.2005

Farbe im Raum, so könnte man die Arbeiten des Düsseldorfer Malers Paul Schwer stichwort-artig charakterisieren. Ob gespannt oder gehängt, ob in Bahnen oder als Felder, ob als Gemälde oder Installation, seit über 10 Jahren bringt Paul Schwer Farbe in den Raum und greift dabei als Maler nach der dritten Dimension. Auf der Grundlage gebauter Konstellationen er¬zeugt er physisch-plastische Farberlebnisse. Neben Leinwandbildern entstehen Rauminstallationen, die er in Industriehallen, Treppenhäusern und Foyers, in Museen und Galerien zwischen Brüssel und Oslo vielerorts vorgestellt hat. Aus eigenen Fotografien, in denen er einen flüchtigen Moment festzuhalten versucht, werden gemalte Bilder zu Variationen über das Thema Farbe, Licht und Mobilität. In seinen Gemälden und Installationen werden projektierte Fußgänger und Fahrzeuge zum Farbverlauf, zum Farbenspiel, die Farbvariation zum Zeichen der Mobilität. In der Installation befragt der Künstler jedoch nicht nur die Wirkung, sondern auch die Mittel der Malerei, indem er diese fast vollständig auflöst: die Bildträger sind transparent, der Farbduktus lapidar, ohne Ausdruck seelischer Befindlichkeit sein zu wollen, und das Pigment haftet nur vorübergehend, wie ein Hauch auf beschlagenen Scheiben.

Mit den Installationen bezieht sich Paul Schwer auf die Ausstellungsorte. Tücher werden verspannt oder gehängt. Glasplatten werden an die Wand gelehnt und dienen wie die Farbtücher zugleich als Projektions- und Farbflächen. Künstliche und natürliche Lichtquellen sorgen dafür, dass sich die Farbe im Raum verbreitet, ihn als Kontext, als Projektionsfläche auratisch auflädt und somit physich spürbar wird. Der Traum vom Eintauchen in die Farbe wird bei den Arbeiten von Paul Schwer wahr. Indem der Betrachter von Farbe umfangen, zugleich als Projektionsfläche im Raum agiert, wird auch er Teil des Ganzen. Die Malerei wird so zum Raumerlebnis, der Raum zu einer surrealen Farblandschaft, ständig wechselnd mit dem Wandel des Lichts. In der Kunsthalle Bremerhaven werden neben einer Reihe von Ölgemälden auch die Glasplatten und die Farbverspannungen zu sehen sein, welche den Hauptraum durchspannen werden.

Paul Schwer wurde 1951 in Hornberg im Schwarzwald geboren. Nach einem Medizinstudium und der Tätigkeit als Arzt studierte er in den 80er Jahren an der Kunstakademie in Düsseldorf und erhielt im Anschluß verschiedene Stipendien im Ausland, unter anderem in Paris und Trond¬heim in Norwegen. Nach zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im Köln-Düsseldorfer Raum und im Ruhrgebiet, beispielsweise im Kunstverein Oberhausen, im Niederrheinischen Kunstverein und im Brühler Kunstverein, im Kunsthaus Essen, im Museum Schloß Moyland oder im Kunst¬verein Solingen, ist die Ausstellung in der Kunsthalle Bremerhaven die erste Präsentation seiner Arbeiten im Norden. Mit der Ausstellung setzt der Kunstverein seine Reihe junger Künstler aus dem Westen fort, in deren Verlauf in den letzten Jahren Mathias Lanfer, Andreas Ostermeyer, Katharina Grosse oder Andreas Bee in der Kunst¬halle vorgestellt wurden. In diesem Zusammenhang sei auf die zeitgleiche Gruppenausstellung „Here we go“ der Städtischen Galerie Gladbeck hingewiesen, in der unter anderem Arbeiten Paul Schwers neben Skulpturen von Mathias Lanfer und Andreas Bee vorgestellt werden.

Curated by Klaus Becké.