Potpourri VI
Neues und Altes aus der eigenen Sammlung
18.01. – 22.02.2004

Unter dem Titel Potpourri VI gewährt der Kunstverein zum sechsten Mal seit 1990 einen Einblick in seine ansonsten ungezeigte Sammlung. Vergingen zwischen Potpourri I und Potpourri II zunächst fünf Jahre, so gibt es seit 1997 im Wechselausstellungsprogramm jährlich eine mehrwöchige Potpourri-Ausstellung oder eine eintägige Präsentation der Neuerwerbungen. Diese alljährliche Präsentation von Neuzugängen dokumentiert einen beschleunigten Sammlungsausbau seit Mitte der 90er Jahre. Gestützt auf die Hilfe der Stadt und ein erfreuliches Spendenaufkommen, konnte der Verein einen Zugang von Kunstwerken verzeichnen wie nie zuvor in seiner Geschichte. Insofern bieten die Potpourri- oder Neuerwerbsausstellungen nicht nur einen Einblick in die Vielfalt der bildenden Kunst, sondern sie dokumentieren zugleich ein gewachsenes bürgerliches Engagement in Bremerhaven und Umgebung.
Trotz dieser positiven Entwicklung kann die Sammlung des Kunstvereins leider nicht die ganze Bandbreite der künstlerischen Entwicklung widerspiegeln. Knappe Mittel und Unsicherheiten ob der rasanten Stilentwicklung der bildenden Kunst haben in der Vergangenheit Lücken hinterlassen. Auch heute ist es angesichts enormer Preissteigerungen bei Spitzenkünstlern trotz höherer Spendeneinnahmen nur selten möglich, repräsentative Werke wegweisender Künstlerinnen oder Künstler zu erwerben. Umso wichtiger ist es, dass der Kunstverein seine bescheidenen Ressourcen so einsetzt, dass er eine Sammlung schafft, die auch mit wenigen spektakulären Großexponaten anspricht und gleichzeitig wichtige Entwicklungen in der bildenden Kunst veranschaulicht.
In dieser Intention wurde der Bestand in den vergangenen Jahren zu so genannten Sammlungsschwerpunkten verdichtet. Ziel dieser Sammlungsschwerpunkte ist es, den Zeitgeist einer Epoche, das Oeuvre eines Künstlers oder die Intention einer Künstlergruppe wieder zu geben. Oft bedurfte es dazu nicht des Ankaufs teurer Einzelstücke. Vielmehr ließ sich die Veranschaulichung häufig durch den Zukauf günstigerer Grafik oder Editionen erzielen, die alleine kaum einer Präsentation in einer Dauerausstellung würdig wären. Aus der Not des geringen Etats ergibt sich so ein abwechslungsreiches Bild von Kunstwerken unterschiedlichster Wertigkeit, wie es in dieser Lebendigkeit und Zugänglichkeit in anderen Häusern seines gleichen sucht.
33 dieser Sammlungsschwerpunkte, entsprechend 33 möglichen Ausstellungsräumen gibt es derzeit. Zuviel, um alles gleichzeitig in einer Dauerausstellung zu zeigen. Allerdings ist eine raumweise Präsentation auch gar nicht beabsichtigt, obgleich sie möglich und in Einzelfällen auch überlegenswert ist. Das Mit- oder Gegeneinander verschiedener künstlerischer Position, so wie es der Verein in sei-nen Potpourri Ausstellungen bereits erprobt hat, verspricht indes mehr Spannung. Vor diesem Hintergrund gibt die aktuelle Ausstellung nicht nur Auskunft, wo in den vergangenen Jahren Sammlungsinhalte durch Zukäufe verdichtet wurden, sondern sie liefert zugleich eine Vorlage für ein mögliches Ausstellungskonzept. Inhaltlich bringt die Ausstellung für den Besucher die Widerbegegnung mit alt bekannten Arbeiten, ebenso wie mit neuen Ausrichtungen. Zu dem Bekannten gehören Druckgrafiken von Palermo, dessen Werk der Kunstverein Anfang 2003 eine Einzelausstellung gewidmet hatte. Zwei Werke des Künstlers befanden sich bereits in der Sammlung. Vier weitere sind durch Ankäufe und Schenkungen hinzugekommen. Zukäufe von Grafiken und Gemälden gab es auch bei Künstlern wie Ilya Kabakov, Hamish Fulton oder Otto Modersohn. Bei jedem dieser Künstler ist der Sammlungsbestand inzwischen so umfangreich, dass er im Rahmen einer Potpourri Ausstellung nur noch exemplarisch präsentiert werden kann. Neu aufgenommen wurde hingegen eine frühe Textarbeit von Robert Barry. Ihr Ankauf erfolgt in der Intention, die kunsthistorisch bedeutende Phase der Conceptual Art stärker zu akzentuieren, von deren Vertretern wie Hanne Darboven, On Kawara und Lawrence Weiner der Kunstverein schon einige Arbeiten besaß.

Kai Kähler

Kuratiert von Jürgen Wesseler.