Silja Addy
Malerei
12.10. – 09.11.2003

Die Malerei von Silja Addy (geb.1968 in Berlin) sind Versatzstücke jener Medienwelt, die längst unsere Wahrnehmung von Wirklichkeit beherrschen. Im Kontext der aktuellen Verselbständigung der Bilder gegenüber ihrem Medium ist denn auch die künstlerische Arbeit von Silja Addy zu sehen.
Silja Addy ist mit der Fotografie groß geworden und hat sich für die Malerei entschieden, für eine Malerei an der Tangente zur Fotografie und zum technischen Bild. Fotografische Bilder oder technische Standbilder liefern das Ausgangsmaterial für ihre großformatigen Tableaus. Einzelne Motive werden herausgefiltert und Schicht für Schicht in Ölfarbe auf die Leinwand übertragen. Das (gleich bleibende) große Format lenkt die Aufmerksamkeit auf das Bild, das Bild wird zum Träger der Malerei. Die ästhetische Strategie dieser realistischen Malerei will nicht etwa in eine akademische Konkurrenz mit dem technischen Bild treten, noch geht es ihr um einen melancholischen Abgesang auf das fotografische Einzelbild, dem das 21. Jahrhundert im Kreislauf der digitalen Transformation und Simulation eine unklare Zukunft prophezeit. Diese Malerei schöpft vielmehr aus dem ästhetischen Potenzial neuer Medien, um es für ihre Zwecke zu plündern, dem Nahkampf mit den Möglichkeiten der Malerei und der Wirklichkeit der Malerei im Kontext der Realität der aktuellen industrialisierten Bildproduktion.

Die digitalen Medien führen uns heute konkret vor, was die Fotografie bereits angedeutet hatte: Um Bilder sehen zu können, braucht es zwar einen Träger (Fotopapier, Monitor…), die Bilder selbst aber existieren auch unabhängig von ihren Erscheinungen, z.B. als abzählbare Datenmenge in der Kamera gespeichert. Die Konkretisierung des neuen Bildtyps vollzieht sich über die Konkretisierung der einzelnen Informationen. Das Bewusstsein dieser Tatsache bildet den Hintergrund für das Beziehungssystem der unterschiedlichen Darstellungsmodi von Fotografie und Malerei im künstlerischen Konzept von Silja Addy.

Das Umschalten, Zapping, das Silja Addy zwischen der technischen und malerischen Darstellungsweise pflegt, reißt die innere Reflexion der gegenwärtigen Bildproduktion auf. Wenn die Künstlerin den Fotorealismus des Malerischen gegen die Abstraktion des Fotografischen ausspielt oder das fotografische Motiv durch den malerischen Duktus entmachtet. Diese Malerei schöpft vielmehr aus dem ästhetischen Potenzial neuer Medien, um es für ihre Zwecke zu plündern, dem Nahkampf mit den Möglichkeiten der Malerei und der Wirklichkeit der Malerei im Kontext der Realität der aktuellen industrialisierten Bildproduktion.

Das Arbeitsprinzip von Silja Addy manifestiert sich in Form von Serien und Sequenzen, ein Motiv wird in mehreren Variationen bearbeitet. Jede Serie zu einem Motiv ist ein in sich abgeschlossenes System, die Künstlerin arbeitet gleichzeitig an den einzelnen Sequenzen und jede einzelne Sequenz hat ihre Gültigkeit als Einzelbild. Die Übersetzung des technischen Auslösers in die malerische Geste, die Konkretisierung des Bildes mit den Mitteln der Malerei im großen Format manifestiert Malerei als Symptom einer extensiven Bildproduktion, die unsere gegenwärtige Gesellschaft und unser (Er)leben speist. (nicht zufällig stammen die Sujets von Silja Addys Malerei aus einem Fundus von dokumentierten Erlebnissen). Erinnerung scheint heute wesentlich an Bilder gebunden und die Erinnerung im Bild hängt davon ab, was das Bild jeweils als solches zulässt - manchmal mehr manchmal weniger

Silja Addy.

Kuratiert von Thomas Trümper.