Werner Büttner
HELLO CRUEL WORLD
16.01. – 20.02.2005
HELLO CRUEL WORLD, da gibt es kein Verstecken, das ist eine eindeutige Aussage, keine vorsichtige Annäherung, keine Rücksichtnahme, keine political correctness. Werner Büttner, geb. 1954 in Jena, seit 1989 Professor an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, versteckt sich nicht. Er konfrontiert den Besucher direkt mit seiner Arbeit. Malerei, Collage, Text sind ohne Rücksichtnahme. Sie sind präsent. Heftig und direkt kommen sie daher. Keine falsche Scham, expressiv in der Malweise, heroisch im Impetus, aber pathetisch? Auf den ersten Blick mag es so scheinen. Pathos kündigt sich an, im Titel, in der Malweise. Aber dann? Der Betrachter zweifelt. Beim zweiten Blick distanziert sich die Arbeit im Zusammenspiel von Text und Bild von den Erwartungen des Publikums. Erwartungen werden nicht bedient und der Betrachter bleibt im Unklaren über die vermeintliche politische Botschaft. Rationalität hilft dann nicht weiter.
Um 1980 begann eine neue Form der Malerei. Es hat sie auch schon vorher gegeben, kaum beachtet, und es gibt sie immer noch, obwohl fast schon Geschichte. Diese Form der Malerei errang um 1980 stärkere Beachtung. Ausdrucksstark, sowohl dem Abstrakten wie dem Gegenständlichen verbunden. Sie beendete die Dominanz der minimal art und conceptual art. Sie setzte damit zugleich der betont intellektuellen analytischen Haltung in der Tradition der Moderne, die auf den gesellschaftlichen Wandel durch Analyse setzte, ein Ende. Analyse der Gesellschaft fand auch weiterhin statt, doch nun wurde sie gepaart mit Spontaneität, Emotion, Expressivität und Irrationalität. Ein Ende der Theorie. Keine erklärenden Kommentare, kein Programm. Punk in der Kunst, direkte Wirkung, die postmoderne Malerei unter dem Sammelbegriff der „Neuen Wilden“ entwickelte ihre gesellschaftliche Wucht.
Allerdings, ein Sammelbegriff ist ein Sammelbegriff. Er ist unscharf. Er wird den einzelnen Künstlern nicht gerecht, ja ganzen Künstlergruppen nicht. So beispielsweise der Hamburger Künstlergruppe Martin Kippenberger, Albert Oehlen und Werner Büttner. Was diese Künstler in starkem Maße von anderen im Sammelbegriff unterscheidet, war und ist ihre ironische, gesellschaftskritische Haltung. Pathos verträgt keine Ironie. Die revolutionäre Grundhaltung fließt in ihre Kunst ein, der scharfe Blick auf die Gesellschaft ist ungetrübt, eine anarchische Tradition liefert die geistige Freiheit des Querdenkens, doch die skeptische, ironische Überspitzung gibt den Bildern die Freiheit, lässt den Betrachter atmen, macht den Anblick möglich. Und wie nebenbei erhält überraschenderweise die Malerei ihren Stellenwert. Bei Werner Büttner ist die Malerei nicht nur Mittel zum Zweck, sondern auch Selbstzweck. Neuere Bilder sind in der Kunsthalle zu sehen.
Kai Kähler
Kuratiert von Jürgen Wesseler.