Axel Lieber
Elvis, Bremerhaven und ich
03.03. – 07.04.2002

Die Hose erregte die erste Aufmerksamkeit, eine Jeans, eine ganz alltägliche Hose aus einem ganz vertrauten Material. Unverwandt steht sie im Raum. Dass die Hose steht, ist schon ungewöhnlich, aber aus der Werbung, aus Filmen oder Trickfilmanimationen sind stehende oder sogar laufende Hosen hinlänglich bekannt. Doch diese Hose steht nicht nur, ihre Form ist eckig. Formal völlig korrekt wird die Hose zum Objekt. Unwillkürlich muss der Betrachter schmunzeln. Er wird irritiert und bekommt einen neuen Blick auf die Dinge. Das Objekt ist nicht ohne Ironie.

Axel Lieber verfremdet alltägliche Gegenstände und bekannte Materialien. Durch einfache Eingriffe verändert er gewohnte Situationen. Er spielt mit Sehgewohnheiten und mit den Erfahrungen von Masse und Volumen. Dabei benutzt er häufig die materiellen Objekte der Ausstellungsumgebung und formt sie zu vorher ungeahnten Erscheinungsweisen um. Der Künstler Reiner Ruthenbeck (geb. 1937, lebt und arbeitet in Düsseldorf) kippte einst einen Stuhl um und verwandelte ihn dadurch vom Stuhl zum Raumobjekt (Kabinett für aktuelle Kunst 1971, heute Neues Museum Weserburg). Axel Lieber, geb. 1960 in Düsseldorf, seit 1995 Dozent an der Kunstakademie in Malmö, Schweden, geht in dieser Tradition spielerisch weiter. Ruthenbecks Arbeiten sind bei aller Leichtigkeit von einer akademischen Strenge, einem formalen, kunsttheoretischen Ansatz und dem Prinzipiellen der Kunst der ausgehenden 60er und 70er Jahre gekennzeichnet. Axel Lieber gehört einer jüngeren Künstlergeneration an, die aufbauend auf den künstlerischen Experimenten ihrer Vorgän-ger viel unbefangener und ironischer weiterarbeitet. Insofern knüpft diese Ausstellung an die Installationen von Stefan Wissel an, die der Kunstverein im vergangenen Jahr gezeigt hat. In seinen neueren Installationen beschäftigt sich Axel Lieber vermehrt mit der Schnittstelle von Körper, Kleidung und Architektur. Hierbei geht es zu gleich um die kulturelle Konnotation des Materials, als auch um bildhauerische Fragen der Proportion und den Grundkonstanten von Räumen.

Der Raum, auf den sich Axel Lieber in Bremerhaven bezieht, ist die Kunsthalle. Darüber hinaus greift er ein historisches Ereignis auf, durch das Bremerhaven über die Stadtgrenzen hinaus bekannt geworden ist. „Elvis, Bremerhaven und ich“ nennt Lieber seine Ausstellung. Er selber schreibt da-zu: „Bremerhaven war der Ort, an dem Elvis Presley, die Verkörperung der amerikanische Popkultur, am 1. Oktober 1958 seinen Fuß auf das europäische Festland setzte. Ein kleiner Schritt, der, wie sich zeigen sollte, weitreichende Folgen haben sollte. Denn Elvis Landgang war der Beginn einer Kulturrevolution, deren Schwingungen bis heute nachwirken - davon kann man sich nicht zuletzt in der Ausstellung in der Kunsthalle überzeugen. In der Bremerhavener Ausstellung wird eine raumgreifende Maßarbeit auf “leisen Sohlen” daherkommen.“ Wir dürfen gespannt sein, was in der Ausstellung daher kommt.

Kuratiert von Klaus Becké.

Die Ausstellung konnte mit der freundlichen Unterstützung der Kreissparkasse Wesermünde Hadeln realisiert werden. Zur Ausstellung erscheint eine Edition.