Klaus Staudt
Retrospektive
22.09. – 27.10.2002
Mit Klaus Staudt präsentieren wir einen Künstler, der im Bereich der geometrischen Abstraktion eine höchst eigenständige und unverwechselbare Position einnimmt. Im Laufe von mehr als vier Jahrzehnten hat er ein Werk geschaffen, das durch seine Kontinuität und Stringenz ebenso wie durch seine Innovationskraft beeindruckt.
Von Anfang an galt das künstlerische Interesse von Klaus Staudt der Abstraktion, dem Bild- und Formenvokabular einer vom geometrisch-systematischen Denken bestimmten Kompositionsweise, die er aber zugleich durch den Einsatz über das „klassische“ Repertoire der Konstruktiv-Konkreten Kunst hinausweisender Darstellungsmodi modifiziert. So trat schon früh als wesensbestimmender Werkfaktor neben die klare, einfache Bildform das Moment der Bewegung sowie das der visuellen Mehrdeutigkeit.
Klaus Staudt ist ein Künstler, der seine kreativen Energien nicht allein in die Produktion von Kunstwerken gelegt hat. So war er auch zwanzig Jahre lang im Bereich der Lehre tätig, und zwar als Professor an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Daneben wirkte er aktiv im museologischen Bereich, indem er für die Konzeption und den Aufbau sowie die Erweiterung der Sammlung Konkreter Kunst in seiner Geburtstadt Otterndorf verantwortlich zeichnete.
Und nun die Retrospektive zum Werk von Klaus Staudt mit den Stationen Ludwig-Hack-Museum Ludwigshafen, Museum Quadrat Bottrop und jetzt Kunsthalle Bremerhaven, die, im Jahr seines siebzigsten Geburtstags, einen breiten Überblick über sein Schaffen gibt.
Die Ausstellung in Bremerhaven gliedert sich in drei Werkgruppen: Reliefs und Objekte seit 1960, Skulpturen seit 1970 sowie die Zeichnungen ebenfalls seit 1970.
Die Parameter der systematisch-konstruktiven Kunst Staudts lauten: Serialität, Licht, Schatten, Raum und Bewegung. Die Arbeiten bauen sich stets aus einfachen geometrischen Grundformen wie dem Quadrat beziehungsweise dem Würfel auf, die nach systematischen Gesichtspunkten kombiniert, variiert, systematisch verschoben oder spiegelbildlich angeordnet sind. Vorherrschende Kompositionsprinzipien sind dabei Klarheit und Nachvollziehbarkeit. Klaus Staudt betont „Um meine Kunst zu erleben, muss man die Mathematik nicht beherrschen“ und setzt neben das intellektuell nachvollziehbare Prinzip der Systemlogik mit dem „malerischen Aspekt“, der seinen Werken zu eigen ist, die ästhetische Kategorie des Vagen beziehungsweise Nicht-Eindeutigen, indem er seine Strukturen durch jeweiliges Verschieben oder Drehen so anordnet, dass sie in eine virtuelle Bewegung versetzt zu sein scheinen, hinter einer milchigen Plexiglasscheibe „verschwimmen“, so dass ein irritierender Flimmereffekt einstellt.
Einen ganz wesentlichen Faktor im gesamten Werk von Klaus Staudt stellt die Farbe dar. Unverkennbar ist die Dominanz der (Nicht-)Farbe Weiß. Weiß ist für Staudt ein Synonym für Licht, für das Wechselspiel von Hell und Dunkel, für die Sichtbarmachung von Licht: „Ich liebe die Farbe Weiß, sie ist offen für Licht und verändert sich mit jeder Strahlung. Weiß ist die Botschaft der Helligkeit, der Immaterialität. Weiß ist die Summe aller Farben.“
Es ist ein überaus vielschichtiges Werk, das uns Klaus Staudt heute offeriert, das Resultat einer mehr als vier Jahrzehnte währenden künstlerischen Tätigkeit.
Sein Werk in all seinem Facettenreichtum Ihnen, liebe Mitglieder, zugänglich zu machen, ist das Ziel unserer Bemühungen.
Kuratiert von Thomas Trümper.