Martin Kasper
Treibstoff Malerei
06.02. – 12.03.2000
Mit der Ausstellung „Treibstoff“ wird der Kunstverein Bremerhaven wieder seiner Aufgabe zur Förderung junger Künstler gerecht. Für den Maler Martin Kasper ist die Ausstellung in der Kunsthalle Bremerhaven die erste größere Einzelausstellung in einem öffentlichen Ausstellungsraum, außerhalb des kommerziellen Rahmens der Galerien. In unserem Raum ist der Maler, der 1962 geboren, heute in Freiburg lebt, noch weitgehend ein Unbekannter. Im Süden, in der Gegend um Freiburg und Basel, aber auch im Düsseldorfer Raum sind seine realistisch gemalten Gebäudeserien bereits einem größeren Publikum bekannt, in der Baseler Zeitung, dem Kunstbulletin und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wurde schon über seine Arbeit berichtet. Mit der Ausstellung in der Kunsthalle Bremerhaven kommen seine „Architekturdestillate“, wie sie die FAZ genannt hat, auch zu uns.
Martin Kasper malt in Serien oder Werkzyklen. Gegenstand seiner Malerei sind Gebäude, meist Industrieanlagen wie Schleusen, Wasserkraftwerke, Kasernen, Flughäfen, Zollstationen oder, wie es der Titel „Treibstoff“ verrät, Tankstellen. Die Motive sind erkennbar, fast realistisch, immer menschenleer und erinnern so unter anderem an die surrealistischen Stadtlandschaften eines Michael Bach. Doch es handelt sich nicht um frei komponierte, fiktive Stadtansichten. Die Gemälde sind vielmehr eine Reihung von Motiven banaler Zweckbauten. Ähnlich den Fotoserien der Bechers lenken sie die Wahrnehmung auf die nebensächliche Architektur des Alltags und doch steht die realistische Darstellung der Architektur, der Naturalismus nicht im Vordergrund. Die trockene Temperamalerei ist flächig, bildet Farbflächen, so daß das Motiv zwischen Schärfe und Unschärfe pendelt. Dadurch tritt die Malerei selbst immer wieder in den Vordergrund. Der Kritiker Martin Engler schreibt dazu:
„In einem langwierigen Prozeß malerischer Annäherung entsteht eine ästhetische Morphologie vertraut-alltäglicher Baulichkeit: Wasserkraftwerke entlang des Rheins, alpine Grenzbauten, anonyme Tankstellen oder Flughäfen werden in einem fotografischen Skizzenbuch in unzähligen Variationen notiert und im Atelier entleert und reduziert. Zuerst verschwinden die Menschen, dann die überflüssige, bewegliche Staffage und zuletzt wird die Architektur von allen störenden Nebensächlichkeiten befreit.
Wenige, zum Teil minimale Veränderungen lassen aus den tiefenräumlichen Realitätsfragmenten ein fast abstraktes, aus flächigen Farbwerten sich zusammensetzendes Tableau entstehen, das Inhaltlichkeit vehement verneint und gleichwohl höchst anspielungsreich den Dialog mit dem Betrachter sucht. Die Malerei Martin Kaspers ist ikonisch und anspielungsreich, inhaltlich und abstrakt zeichenhaft zugleich. Jeder Gegenstand, jedes Bilddetail sucht sich permanent einen neuen Sinn in der ungegenständlichen Logik des Bildes zwischen Farbe und Form.“
Kuratiert von Thomas Trümper.