Palermo
Druckgraphik u. multiplizierte Objekte
05.01. – 09.02.2003
Der Kunstverein Bremerhaven zeigt Druckgrafiken und multiplizierte Objekte von Palermo aus Bremerhavener und Hamburger Privat-besitz sowie aus der Sammlung des Kunstvereins. Es handelt sich um eine Auswahl von 25 Arbei-ten aus dem druckgrafischen Oeuvre Palermos, das aus 37 Werken besteht. Mit dieser Präsentation wiederholt der Kunstverein nahezu auf den Tag genau eine vergleichbare Ausstellung, die bereits vor 23 Jahren in der Kunsthalle stattfand. Doch auch heute, knapp 25 Jahre nach dem Tod des Künstlers, der im Februar 1977 im Alter von nur 34 Jahren bei einem Reiseaufenthalt auf den Malediven verstorben ist, hat das Werk nichts von seiner Aktualität verloren. Im Gegenteil, die Arbeit, die künstlerische Haltung Palermos erfährt zur Zeit wieder eine erhöhte Aufmerksamkeit. In der neuen Pinakothek der Moderne, die im September 2002 in München eröffnet wurde, ist Palermo ein eigener Raum gewidmet. In einer Publikation dieses Hauses werden seine Arbeiten zu den „Fixsternen“ der Sammlung gezählt. Zur Zeit zeigt das Museu d’Art Contemporani in Barcelona eine umfassende Retrospektive des „legendären Werkes des früh verstorbenen Künstlers“. An-schließend geht die Ausstellung nach London in die Serpentine Galerie.
Die Aufmerksamkeit gilt einem Künstler, dessen Wirken sich mit der turbulenten Düsseldorfer Künstlerszene der sechziger und siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts verbindet. Im Umfeld des Akademieprofessors Joseph Beuys versammelten sich so namhafte Künstlerinnen und Künstler wie Katharina Sieverding, Sigmar Polke, IMI Knoebel, IMI Giese, Reiner Ruthenbeck und Gerhard Richter, zu denen auch Palermo gehörte und mit denen er eng befreundet war. Palermo wurde 1943 in Leipzig unter dem Namen Peter Schwarze geboren. Nach dem Tod seiner Eltern erhielt er den Namen seiner Adoptiveltern Heisterkamp. 1962 nahm Peter Heisterkamp das Studium an der Kunstakademie in Düsseldorf auf, wo er von seinen Freunden den Spitznamen „Palermo“ erhielt. Mit diesem Namen signierte er ab 1964 auch seine Arbeiten. 1966, mit erst 23 Jahren, hatte er seine erste Einzelausstellung in der Münchner Galerie Friedrich und Dahlem. Bereits wenige Jahre später, in den Jahren 1969, 1970 und 1971 folgten Ausstellungen im Kabinett für aktuelle Kunst in Bremerhaven.
Palermos Schaffen galt der Suche nach neuen Wegen und Freiräumen in der Malerei. In seinen Arbeiten bezog er sich auf die Bildkonzepte und Raumauffassungen, zum einen auf die der russischen Konstruktivisten wie Kasimir Malewitsch, El Lissitzky oder Alexander Rodtschenko zwischen 1915 und 1925 und zum anderen auf die Farbfeldmalerei von Barnett Newman aus den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Ende 1968 überwandt er die Grenze zwischen Raum, Bild und Objekt, in dem er die Wände selbst zum Bildträger machte. Erst relativ spät, Anfang der 70er Jahre, befasste sich Palermo mit grafischen Techniken. Hier formulierte er häufig seine Bildvorstellungen, bevor er sie in andere Techniken umsetzte. So sind in seinem druckgrafisches Werk auch Studien der Wandmalereien enthalten, die im Original leider nicht mehr erhalten sind. Palermo zählt heute zu den bedeutensten Malern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Am 15. Januar hält Frau Dr. Susanne Küper einen Vortrag mit dem Titel „Palermo: Straight“. Der Beginn ist um 19 Uhr. Frau Dr. Susanne Küper hat über die Wandzeichnungen, Wandmalerei-en und Installationen Palermos promoviert.
Kuratiert von Jürgen Wesseler.