Katharina Grosse
Sightspacific
13.12.1998 – 17.01.1999

Über den Jahreswechsel, vom 13. Dezember 1998 bis zum 17. Januar 1999, zeigt der Kunstverein Bremerhaven eine Ausstellung mit Bildern und Raum-Installationen mit Malerei der Künstlerin Katharina Grosse (Jg. 1961).
Katharina Grosse ist eine der bekanntesten Vertreterinnen der modernen Farbfeldmalerei. Beeindruckend ist ihr radikaler Umgang mit Farbe. In ihren Bildern auf Leinwand oder Aluminiumplatte setzt sie klare, deutliche Farben in unterschiedlicher Dichte, deckend oder transparent, neben und übereinander. Dabei entstehen fast monochrome Farbflächen, die sich die Bildfläche streitig machen, sich überlagern und dennoch im harten Kontrast nebeneinander bestehen. Der Bildträger Aluminium unterstützt die kühle Strenge des Farbauftrages. Der Kontrast der Farben wird durch die harten Absätze der Farbflächen verstärkt, wobei sich die Absätze wiederum aus den gleichmäßig geführten, deutlich sichtbaren Pinselstrichen ergeben, mit dem die Farbe horizontal oder vertikal aufgetragen wurde. Durch die deutlichen Farben, den sichtbaren Farbauftrag und den einfachen, geometrischen Bildaufbau macht Katharina Grosse aus ihrer Malerei kein Geheimnis. Gleichzeitig schöpfen die Arbeiten aus der Deutlichkeit, Strenge und Schlichtheit ihre irritierende Direktheit und Intensität.
Seit 1996 hat Katharina Grosse begonnen neben dem Tafelbild Farben direkt auf Wände oder wandfüllende Papierbahnen aufzutragen, so beispielsweise in einer Cafeteria der Firma Siemens in München, der Kunsthalle Düsseldorf oder der Overbeck-Gesellschaft in Lübeck. Die Wände verlieren bei diesen Arbeiten ihren bisherigen Kontext als nicht gemalte Fläche, als Passepartout des Bildes und werden selbst Bildträger. Die Malerei erhält eine noch größere Raumwirkung. Sie tritt nicht mehr als abgegrenztes Bild auf, sondern als Envirorment oder Installation, bei der der Raum und der Betrachter mit einbezogen werden. Die Arbeiten bewegen sich somit im klassischen Grenzbereich zwischen Malerei und Objekt, wobei Katharina Grosses Arbeiten weiterhin die Möglichkeiten und essentiellen Eigenschaften des Mediums Malerei thematisieren. Insbesondere bei den einfarbigen Papierarbeiten wird die Konkurrenz der Farben durch die Konkurrenz Farbe/Raum ersetzt.
Für die Ausstellung des Kunstvereins wird Katharina Grosse eine eigens für die Kunsthalle konzipierte Arbeit realisieren. Bei ihr werden zwei Konzepte zur Überschneidung gebracht, die die Wand auf unterschiedliche Weise als Bezugssystem nutzen. Ein direkt auf die Wand gesprühtes Bildfeld wird mit einer zweiten, portablen, ebenfalls großformatigen Wandarbeit verbunden, die am Anfang diesen Jahres für den Kunstverein Heilbronn gefertigt wurde.

Kuratiert von Klaus Becké.